TT :: Schwarze Fahne in Igls als Kritik an „unsozialer Regierungspolitik“

Die schwarze Fahne weht seit Dienstag auch in Vill-Igls. Sie weist auf eine „verletzte Humanität“ hin. © Roth

Das Dekanat Breitenwang setzte bereits ein Zeichen für die Aufnahme von Flüchtlingen in Tirol. Igls-Vill und andere Pfarren folgen – Laienvertreter für Beflaggung des Doms.

Von Alexandra Plank – tt.com

Innsbruck – Der Ruf nach Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos wird nachdrücklicher. Politiker aller Parteien außer FPÖ und ÖVP (nur Tirols LA Beate Palfrader befindet sich im Widerspruch zur Parteilinie) wollen mit anderen EU-Staaten humanitär handeln.

Neben Österreichs offiziellen Kirchenvertretern, wie Tirols Bischof Hermann Glettler, setzen immer mehr Pfarren im Land ein sichtbares Zeichen. Ausgegangen ist die Aktion vom Dekanat Breitenwang. Dort wurde vor zahlreichen Kirchen eine schwarze Fahne gehisst. Die Erklärung: Trauer darüber, dass aus politischem Kalkül verhindert werde, dass man Menschen hilft, die TT berichtete.

„Bestürzend, wenn christlich-soziale Partei sich weigert, Flüchtlinge aufzunehmen“

Seit Dienstag trägt auch der Kirchturm von Igls-Vill Trauer. Damit wollen sich die Pfarrgemeinderäte und Pfarrer Magnus Roth mit der Aktion von Breitenwang solidarisieren, zumal es in Igls – vor allem auf Initiative der Pfarre und des Vereins „Solidarität Igls“ – seit 2017 ein Haus für alleinstehende geflüchtete Frauen und Kinder gibt. Dort würden etwa 40 Personen Platz finden, es steht aber derzeit zur Hälfte leer. „Ich finde es bestürzend, wenn eine christlich-soziale Partei sich weigert, Flüchtlinge aufzunehmen“, sagt Roth.

Die Verteidigungslinie der ÖVP-Regierungsmitglieder hätten er und viele in seiner Gemeinde als zynisch empfunden. Das Haus, in dem einige Frauen und Kinder aus Moria sofort untergebracht werden könnten, trägt den Namen „Liah“. Das ist arabisch und bedeutet, sowohl „die Starke“, als auch „die Sanfte“. Reaktionen auf die Beflaggung gibt es vor allem in den sozialen Medien. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir bereit sind, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. Wir haben Platz und die personellen Ressourcen samt vielen Freiwilligen“, so der Pfarrer. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass das Leben mit Flüchtlingen gut gehe: „Sie sind integriert und werden ohne Aufhebens tagtäglich von vielen unterstützt.“

Michael Gstaltmeyr, Pressesprecher der Diözese, gibt an, dass sich die Fahnenaktion aus den Pfarrgemeinden heraus entwickelt habe. Für Klaus Heidegger, den Vorsitzenden der Katholischen Aktion, ist das sehr positiv, sofern die schwarze Fahne passt. „Viele holen jetzt etwa die Erstkommunion nach, da ist sie das falsche Symbol.“ Er ist stolz, dass die Kirche geschlossen wie selten für die Flüchtlingsaufnahme ist. „Die schwarze Fahne kann der Forderung Nachdruck verleihen. Ich wünsche mir, dass sie am Inns­brucker Dom und jedem Dom in Österreich weht.“

„Lasst uns Menschen retten“ Mit dem eindringlichen Appell „Liebe Bundesregierung, lasst uns Menschen retten, mehr wollen wir nicht“, hat sich die Initia­tive „Courage – Mut zur Menschlichkeit“ lautstark zu Wort gemeldet. Das Gesicht der Kampagne ist die Schauspielerin Katharina Stemberger. Zahlreiche Prominente unterstützen die Aktion, die unter dem Hashtag „144“ beworben wird. In einem ersten Schritt sollen, gut begleitet von Hilfsorganisationen, 144 Menschen aus dem Flüchtlingslager aufgenommen werden. Die Zahl entspricht dem österreichischen Rettungsnotruf. Auf der Homepage www.courage.jetzt gibt es alle Informationen zu den Plänen der Initiative.